akademia

im empirischen garten wachsen fakten
zwischen trockenen blättern lebendige herbarien
entwickeln sich im stillen zu reifen entitäten
bilden eine wahrheit

im empirischen garten kannst du sie denken
sehen wie die äderchen pulsieren
sie wachsen langsam unter deinem blick

im empirischen garten, nachts, gehen wir fakten
stehlen, zwei oder drei, aber zu hause gehen sie ein
am falschen standort, im falschen licht

zum empirischen garten haben wir keinen zugang mehr
wir stehen vor dem tor, hören die fakten atmen
zwischen trockenen blättern, belebt von neuen blicken

vor dem empirischen garten regt sich nichts
unsere köpfe geleert, wir sind buddhastatuen
sie drücken ihre kippen an uns aus

Teil 13: Philipp Ruch (*1981)

„Wir leben in einer Trockenphase der Weltgeschichte. Es gilt, sie mit Schönheit zu tränken.“

tiger_grossIn der Ausgabe Mai 2016 erfuhren wir von dem Berliner Philosophen Byung-Chul Han sein Rezept gegen die kranke Informationsgesellschaft: Denken und meditieren lernen. Auch unser heutiger Denker kritisiert den Kapitalismus. Doch Philipp Ruch belässt es nicht bei Worten. Auch „tiefe Langeweile“ liegt ihm fern. Der Philosoph und Aktionskünstler will Worte in die Tat umsetzen und Politik poetisieren.

Der 35-jährige Philipp Ruch hält seine eigene Generation für willenlos und ichbezogen. Deswegen gründete er 2008 das „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS).Mit Kunstaktionen versuchen Ruch und seine Mitstreiter gegen Politikverdrossenheit anzugehen. Über Facebook, Twitter, Youtube und Co. verbreiten sie die aktuellen Aktionen. Stets geht es dem ZPS um eine Vermischung von Wirklichkeit und Möglichkeit. So borgten sich die Aktivisten vor der 25-Jahrfeier des Mauerfalls (2014) vierzehn weiße Kreuze, die am Spreeufer aufgestellt worden waren, um den Mauertoten zu gedenken. Mit der zeitweiligen Entwendung der Kreuze wollte das ZPS an das tägliche Sterben an den EU-Außengrenzen erinnern. Die Aktivisten fotografierten zu diesem Anlass Flüchtlinge in Marokko mit den vermeintlichen Mauer-Kreuzen.
Philipp Ruch thematisiert mit Aktionen wie diesen auch die Grenzen der künstlerischen Freiheit. Für ihn sollte Kunst politisch und Politik schön sein. Deshalb nutzt er ganz Berlin als Bühne für seine Performances und zeigt, dass idealistische Kunst fähig ist, auf politische Entscheidungen einzuwirken. Als Künstler deutet Ruch mit seinen Inszenierungen über die Wirklichkeit hinaus; er zeigt nicht, was ist, sondern was sein sollte. Da seine Inszenierungen nicht von Schauspielern an Theaterbühnen, sondern von realen Menschen an realen Orten aufgeführt werden, gewinnen die „hyperrealistischen Aktionen“ des ZPS an politischer Relevanz.
Und seine Kunstaktionen werden von mal zu mal radikaler: Im Juni diesen Jahres warteten vier Tiger vor dem Maxim-Gorki-Theater darauf, bereitwillige Flüchtlinge zu verspeisen. Besucher konnten sich von der Existenz der Tiere überzeugen. Im Vornherein mögen es schon viele Menschen für unwahrscheinlich gehalten haben, dass es am 28. Juni tatsächlich zur angekündigten Verfütterung von Flüchtlingen kommen würde. Allerdings wird erst zum Erscheinen dieses Artikels feststehen, was sich an diesem Tag in den Tigerkäfigen abgespielt hat. Ähnlich unwahrscheinlich scheint die Meldung des ZPS, dass die Tiger vor dem Gorki-Theater aus Libyen stammten. Dies ist wohl eher eine Anspielung auf die sogenannten „Tiger“-Hubschrauber, welche die NATO unter anderem 2011 im Kampf gegen Gaddafi in Libyen einsetzte.
Mit ihren provokativen Falschmeldungen wollte das ZPS diesmal auf die Unmenschlichkeit von „2001/51/EG“ des Europäischen Rates und §63 des Aufenthaltsgesetzes der BRD aufmerksam machen. Demnach drohen all jenen Beförderungsunternehmen hohe Geldstrafen, die Menschen ohne gültige Einreisepapiere in die EU transportieren. Laut dem ZPS fördere diese Richtlinie das Geschäft von korrupten Schlepperbanden und Deutschland würde diese Unmenschlichkeit zusätzlich in §63, Abs.3 manifestieren. Die Kunstaktion „Flüchtlinge Fressen“ beabsichtigte jedoch nicht nur Provokation, sondern brachte auch einen Verbesserungsvorschlag zum Status Quo der Flüchtlingspolitik: Die Aktivisten forderten eine Europäische Luftbrücke, die geflüchteten Familien, die in Deutschland Recht auf Asyl haben, die Einreise erleichtert und Schlepperbanden das Handwerk legt. Zur Durchführung der Luftbrücke stellte das ZPS ein Flugzeug namens „Joachim 1“ und fand hundert Syrer, die als potenzielle Passagiere am 28.Juni von Izmir (Türkei) nach Berlin-Tegel fliegen würden. Ob sich die Bundesregierung dem Einflug der Flüchtlinge entgegen stellt, wird ebenfalls erst zum Erscheinen dieses Artikels entschieden worden sein. Jedoch steht schon jetzt fest, dass das „Zentrum für politische Schönheit“ ihrer vermeintlich lethargischen Generation mit Tatendrang und Willensstärke entgegenstrebt.

(veröffentlicht in den Prenzlberger Ansichten, Juli 2016)

Grund und Boden

Wir saßen in einem Spielplatzturm aus Holz.
Wir saßen feucht und sprachen nicht.
Wir dachten trocken. Wir wussten alles.

Unter uns raschelte es. Nicht der Rede wert.
Verschwörungstheorien.
Wir sprachen doch.

Wir rasselten uns ein.
Rasselten uns eine Kette aus Ereignissen herunter.
Alles stand und fiel mit dem Schatten des Baumes.
Einigung darüber.

Aber was der Mann da macht? Der da unten hockte,
stellten wir uns vor, und lauschte, was der wohl dachte,
wenn er überhaupt lauschte? Ob er uns folgte.
Verschwörungstheorien.

Wir sprachen doch. Wir fragten uns die Sprache her.
Hakten mit der Sprache, die uns blieb.
Fragen und nur eine Antwort.
Verschwörungstheorien.

Ob es denn hilfreich sei, das reden darüber: aber, Ja!
ob sie noch schmeckten die Zigaretten: aber, Nein!
Rasseln aber war unser Sound.
Rasselnd logen wir uns in Grund und Boden.

(veröffentlicht am 07.06.2016 auf fixpoetry)

strandkunde

die leine ist gelb, was wichtig ist
denn der hund ist klein und hört nix!
verkündet das geschirr, hör nix!
sieht nix, sagt nix, denk ich
ist aus porzellan

das fell ist grau und filzig
der buckel zählt schon 24 jahre
verkündet das herrchen, 24!
das rosa ausgeblichene halsband
hält ihn am leben fest, denk ich

dackelbeine verschwinden im sand
lassen das hundeverbotsschild hinter sich
vor sich den besitzer gestikulierend stehen
was guckt ihr so blöd?, fragt der hund
denk ich, jedem sein recht auf strand

(veröffentlicht Herbst 2015, Risse Rostock)

Teil 12: Byung-Chul Han (*1959)

„Die Freiheit wird eine Episode gewesen sein“

Byung-Chul-Han-foto

In der letzten Folge tauchten wir in das Leben des fast vergessenen DDR-Philosophen Georg Klaus ein. Der Kybernetiker hatte die Zukunftsvision von einem Informationszentrum, in dem weltweit verfügbares Wissen gespeichert wird. Die Kommerzialisierung des Internets erlebte Klaus nicht mehr, denn er starb bereits 1974. In Berlin-Schöneberg lebt heute ein Philosoph, der sich mit den negativen Folgen unserer Informationsgesellschaft auseinandersetzt: Byung-Chul Han. Er steht dem grenzenlosen Internet kritisch gegenüber. Byung-Chul Han sagt, die Fülle an Informationen macht uns müde und krank.

Byung-Chul Han ist in Seoul geboren. 1980 kam er nach Deutschland. Hier studierte er neben Philosophie auch Theologie und Literatur. Er promovierte zu Heidegger, obwohl er sich der Philosophie von Hegel näher fühlt. Seit 2012 ist Han Professor für Philosophie und Kulturwissenschaft an der UDK Berlin. In den letzten vier Jahren ist er zum Vorzeigephilosophen der Stadt avanciert. Byung-Chul Han erscheint an erster Stelle, wenn man im Internet nach Berliner Philosophen sucht. Ob ihn das freut? Schließlich steht Han der Konsumgesellschaft sehr kritisch gegenüber.
In seinem Buch „Psychopolitik“ vertritt er die These, das neoliberalistische System unserer Zeit würde die Freiheit instrumentalisieren. Den Monopolen würden wir gegenüber stehen wie Leibeigene vor Feudalherren: Wir arbeiteten für sie und bekämen Land dafür. Die Feudalherren schlügen Profit aus unserer Arbeit und gäben uns das Gefühl, frei zu sein. Doch was als Freiheit empfunden würde, wäre in Wirklichkeit Zwang. Die Menschen täten sich so schwer, dagegen zu protestieren, weil sie das vermeintliche Freiheitsgefühl nicht als Zwang erkennen. Weil sie auf die Vorteile dieses Abhängigkeitsverhältnisses, auf billige Klamotten oder kostenlosen Zugang zu Social Media-Plattformen nicht verzichten wollen.
Byung-Chul Hans Zeitanalyse geht noch weiter. Seiner Meinung nach ist die digitale Gesellschaft eine Klassengesellschaft. Big Data-Firmen würden ihre Konsumenten nach Marktwert einteilen. Wer kreditunwürdig ist oder nicht fleißig konsumiert, ist in ihren Augen nichts wert. So hätten beispielsweise viele Hartz IV-Empfänger mit Angst und Scham zu kämpfen, da sie wie Müll behandelt würden. Das wiederum mache sie handlungsunfähig.
Auf die Psyche des Menschen habe die neoliberale Gesellschaft also fatale Folgen. Die Menschen würden liebesunfähig und müde, sie erkrankten an Burn-Out und Depressionen. Hans amerikanisiertes Geburtsland Süd-Korea weist heute die höchste Selbstmordrate weltweit auf. In Seoul gäbe es sogar Selbstmordseminare. Elektronische Trost-Botschaften, die an Brückengeländern befestigt sind, sollen die Einwohner vom Sprung in den Tod abhalten.
Was hat Byung-Chul Han dieser kranken Welt entgegenzusetzen?
Wo man mit ständiger Überforderung zu kämpfen hat, da gibt es dann vielleicht doch eine hilfreiche Methode aus Hans Geburtsland Süd-Korea: die buddhistische Meditation, die er in seinem Buch „Müdigkeitsgesellschaft“ auch als „tiefe Langeweile“ bezeichnet. Sollen wir also üben, uns zu langweilen? Ist das die Lösung? Sollten wir nicht lieber auf die Straße gehen?
In einem Artikel in der SZ schreibt Han, warum er eine Revolution nicht für die Lösung hält. Er denkt nicht, dass der aktive Widerstand zu einer Besserung führt, weil der Feind heute unsichtbar sei. Ein Protest käme einer Demonstration gegen sich selbst gleich. Schließlich sei doch jeder nicht nur Opfer, sondern auch Täter des Systems. Stattdessen scheint das kritische Denken für ihn das beste Rezept zur Weltveränderung. Denn Denken kann nach Han sehr explosiv sein. In einem Interview sagt er, das Basteln an Gedanken wäre „vielleicht gefährlicher als die Atombombe“. Ruhig schlafen könne er trotzdem nicht. Und die Frage, ob er glücklich sei, stelle er sich gar nicht.

Aktuelles zu Byung-Chul Han:
Isabella Gressers Film „Müdigkeitsgesellschaft“ bei dem Prenzlberger Verlag Matthes&Seitz erhältlich. Die Videokünstlerin Isabella Gresser begleitete in Ihrem Film den Philosophen Byung-Chul Han in Berlin und Seoul. Bei dem „Achtung Berlin“-Festival 2015 in Berlin erhielt der Film den ökumenischen Jury-Award.

(veröffentlicht in den Prenzlberger Ansichten, Mai 2016)

Teil 11: Georg Klaus (1912-1974)

Ein Querdenker in der DDR

klaus_georgIn der letzten Folge begleiteten wir den Psychoanalytiker Wilhelm Reich auf seinem steinigen Weg in das amerikanische Exil. Ebenso wie Reich, war auch der Kybernetiker Georg Klaus zeitgleich aktives Mitglied der KPD. Doch im Gegensatz zu Reich, entging er der politischen Verfolgung nicht durch Exil, sondern saß seine Gefängnisstrafe im Konzentrationslager Dachau ab. Danach begann er eine scheinbar vorbildliche Karriere als DDR-Wissenschaftler – bis ihm auch die kommunistische Diktatur zum Verhängnis wurde …

Nach Kriegsende setzt Georg Klaus seine politische Karriere bei der SED fort und nimmt ein Studium in Jena auf. Zu seinem Lehrer gehört der Logiker Max Bense, der ihn mit der Kybernetik bekannt macht. Die Kybernetik ist zu dieser Zeit eine sehr junge Wissenschaftstheorie, als dessen Begründer der amerikanische Mathematiker Norbert Wiener gilt. Als Wissenschaft der Steuerung und Regelung von Maschinen ist die Kybernetik ein Vorbereiter der Informatik. Forschungsschwerpunkt der Kybernetik ist jedoch nicht nur die künstliche Intelligenz, sondern auch die Steuerung sozialer Prozesse. Klaus‘ wird von nun an bemüht sein, die neuartigen Ansätze der Kybernetik für die Ost-Politik zweckdienlich zu machen.
Vorerst dient ihm zur Verbreitung seiner systemtheoretischen Theorie eine Professur für historischen Materialismus an der Berliner Humboldt Universität. Ab 1953 ist ihm der Lehrstuhl für Logik und Erkenntnistheorie inne. Zu dieser Zeit ist der Philosoph 
Heinz Liebscher Student bei Klaus. Nach seinen Aussagen, sei Georg Klaus zu jeder Zeit bewusst gewesen, mit wie viel parteitreuen Formulierungen man eine Forschungsarbeit füttern müsse, um dem Geschmack der obersten Instanz gerecht zu werden. Seine erste Schrift zur Kybernetik erscheint 1961: „Kybernetik in philosophischer Sicht“ erreicht bis 1964 vier Auflagen. Diese und weitere Veröffentlichungen zur Kybernetik stellen in den Augen des DDR-Regimes eine verkappte Annäherung an den amerikanischen Geist dar. Nicht nur wendet sich Klaus gegen die Verschleierung politischer und philosophischer Wahrheiten durch die Partei. Auch ist die von Klaus angestrebte „Soziokybernetik“ zeitgleich in den USA durch Rudolf Carnap en vogue, und wird einige Jahre später mit dem westdeutschen Soziologen Niklas Luhmann populär werden.
Klaus sieht trotz seiner aufrichtigen marxistisch-leninistischen Einstellung keinen Grund, der Wissenschaft Grenzen aufzuerlegen. Als Wissenschaftler hat er die Vision, jedem Menschen einen freien und unbegrenzten Zugang zu Wissen zu ermöglichen.
Unter 
Walter Ulbricht wird die Kybernetik Ende der sechziger Jahre kurzerhand in „marxistisch-leninistische Organistationswissenschaft“ umbenannt. Ulbricht versucht auf diesem Wege, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit sozialen Steuerungssystemen für sich zu nutzen. Die transformierte DDR-Kybernetik ist jedoch nicht mehr im Sinne Klaus‘. Er arbeitet in den Siebzigerjahren an einem demokratischen System, welches ein unverfälschtes Wahlergebnis garantieren soll. Ihm schwebt ein Abstimmungsapparat vor, der in jedem DDR-Haushalt installiert wird, um die politische Mitsprache der Bürger zu fördern. Während der Informationsübermittlung soll die Richtigkeit der Abstimmung geprüft werden. Mit der Vorarbeit für diesen Wahl-Computer fordert Klaus das demokratische Selbstverständnis der DDR heraus – und geht im Kampf um einen „besseren“ Sozialismus als Verlierer hervor. 1971 beginnt Georg Klaus‘ – von Staatswegen beschlossene – Abwendung von der Kybernetik. Im Land wird er nunmehr bestenfalls geduldet; an der Universität, mehr als zuvor, seiner wissenschaftlichen Freiheit beraubt.
Wer nun vorschnell meinen mag, Klaus‘ könne aufgrund der ideologischen Färbung seiner Schriften, die wissenschaftliche Integrität abgesprochen werden, unterschätzt womöglich sein demokratisches Engagement. Nach seinem Verständnis zeichne sich ein ideale Sozialismus nicht nur durch Interdisziplinarität, sondern auch durch freien Wissens-Zugriff aus. 1974 erscheint sein Aufsatz „Zukunftsperspektiven“, in dem er unter anderem die Vision von „Informationszentren, in denen im Prinzip das ganze gegenwärtige Wissen der Menschheit vorhanden ist“, formuliert. Auch seine weitere Weissagung ist heute bereits erschreckend wirklich geworden: „
In Zukunft wird man nicht mehr Zeitung lesen. Unsere hypothetische Informationszentrale wird eine Riesenzeitung für die ganze Welt herausgeben, die jedem das gibt, was er benötigt.“
Seine letzten Lebensjahre verbringt Georg Klaus in Berlin-Wilhelmshagen. Er stirbt 1974 im Alter von 61 Jahren an einer Gelbfieberinfektion.
(Mehr zur Kybernetik in der DDR gibt es nachzulesen in dem Sammelband: „Kybernetik steckt den Osten an“, Trafoverlag, Berlin, 2007.)

Was danach geschah:
– bis 1987: in vierzehn Auflagen erscheint das „Philosophische Wörterbuch“, das von Georg Klaus und Manfred Buhr herausgegeben wird.
– 2011: der Schriftsteller 
Marc Schweska verarbeitet Klaus als Figur in seinem Roman „Zur letzten Instanz“.

(erschienen in den Prenzlberger Ansichten, März 2016)

Syrien erobert Youtube …

Der Berliner syrischer Herkunft: Firas Alshater, dreht mit seinen Freunden Youtube-Videos, die Vorurteile zwischen Deutschen und Syrern abbauen sollen. Seine „ZUKAR“-Videos erfreuen sich im Internet großer Beliebtheit. Deshalb hat er es nun auch ins Fernsehen geschafft.
Firas Alshater kam vor zwei Jahren als syrischer Flüchtling nach Deutschland. In Aleppo hat er Filme gedreht, die dem Regime nicht gefallen haben und wurde deshalb verfolgt und gefangen genommen. Er wirkt nicht wie jemand, der in eine barbarische Kultur hineingeboren, und nun aufgrund seiner fehlenden demokratischen Werte unsere deutsche Hochkultur vernichten wird. Firas Alshater scheint vielmehr wie jemand, dem an Gemeinschaft, Freiheit und Toleranz sehr viel gelegen ist. Deshalb kommt es auch zu kurz, den Syrer als Komiker zu bezeichnen. Firas Alshater redet nicht nur humorvoll Vorurteile klein. Er startet auch Aktionen, lässt sich mit verbundenen Augen von Passanten am Alexanderplatz umarmen, „falls sie einen syrischen Flüchtling vertrauen schenken“. Und das tun Einige! Auch, wenn sie sich erst einmal überwinden müssen. Deshalb bietet der Filmemacher den Deutschen vielleicht auch eine gute Gelegenheit, über ihre Vorurteile gegenüber Arabern nachzudenken. Man wird vielleicht sagen: „Firas Alshater ist nur eine Ausnahme. Generell sind Araber aber immer noch Barbaren.“ Dabei ist es barbarisch, einem ganzen Kulturkreis einen Stempel aufzudrücken! Ich denke, nicht nur von Firas Alshater, sondern auch von anderen Arabern kann man lernen.
Was?
Humor. Gastfreundschaft. Kraft, sich mit einer völlig neuen Situation zu arrangieren. Mut, auf die Menschen eines völlig fremden Landes zuzugehen. Verstand, diese Menschen nicht als „Fremde“ anzusehen.